
Segeltour nach Kopenhagen
Dänemark mit seinen 406 Inseln ist nicht Gähnemark zumindest nicht in der Segelsaison!
Eine Urlaubsidylle aus weiten Stränden und unendlicher Natur, mit netten Menschen, Hot -Dogs rot-weiß-gelb und Zwiebeln und jeder Menge Meer. Das ideale Ziel für einen Gourmet-Katamaran-Mitsegel-Urlaub also: Bocuse trifft Pölser.
Wir starten unseren Törn von Eckernförde aus, wo wir unseren anstehenden Segeltörn in einer netten kleinen Hafenkneipe einläuten können. Wenn auch mit Flensburger Pils statt mit Faxe. Der Wind bläst mit 4-5 Bft aus nördlichen Richtungen. Also nehmen wir Kurs auf Fehmarn – die Brücke kommt um 12.00 Uhr in Sicht und sieht im Näherkommen beängstigend niedrig aus… scheint immer niedriger zu werden!! Lichte Durchfahrt laut Pegel sind 22m, aber unser Charter – Katamaran eine Leopard 45 – hat schon 21.80 Höhe über dem Wasser. Mat unser Skipper lässt uns natürlich zögern und zaudern , lässt alle Ausguck gehen und stellt zudem noch unsere Anfängerin Silke aus Großenbrode ans Ruder. Um die Spannung noch zu erhöhen winschen wir Norbert aus Dinslaken – und er hatte sich gestern abend nach dem 5. Bier süffisant selbst angeboten - mit dem Bootsmannstuhl und dem Spinnackerfall in die Mastspitze. Er ertrug es äußerlich wie ein gestandener Seemann , aber jeder konnte seine Anspannung und Angst fühlen. Mit etwas belegter Stimmen dirigierte er unsere SATURN in die Fahrwasser –Mitte direkt unter die Markierung. In 200m Entfernung dann die erlösende Parole von oben: `Das passt wohl –Ihr könnt mich wieder runterlassen!` Schließlich war die Brücke passiert wir holten die Segel wieder dicht und rauschten mit 13 kn Rostock entgegen. Am ersten Steg im Hafen“ Hohe Düne“ `machten wir fest , klar Schiff -und nichts wie ab an die alte Warnow mit den vielen kleinen gemütlichen Bistros und dem frisch zubereiteten Fisch.

Meerjungfrau Kopenhagen
22 Seemeilen offene Ostsee liegen am nächsten morgen vor uns, ein langer Schlag über die Mecklenburger Bucht. Am Horizont kriechen Fähren und Frachter entlang. Der Wind pustet uns mit 5 Bft direkt ins Gesicht. Aber unser Charter Katamaran hält sich wacker. Hoch am Wind schiebt er sich durch die aufgewühlte See, durchstampft eine Welle nach der anderen. Eine echte Probe für unsere vier Binnenskipper an Bord, deren maritime Erfahrung sich auf die Überquerung eines Baggersees mit der Luftmatratze beschränkt.
Oder doch nicht? Norbert übernimmt direkt hinter der Hafenmole von Warnemünde mit Bravour das Ruder. Sabrina führt uns vor, dass der eigentliche Kapitän an Bord der Koch ist. - in der Pantry kann die Bayerin was. Selbst bei den bockigen Bedingungen entwickelt sie im Salon ihre volle Leidenschaft. Wir segeln ja im Kat aufrecht, was sich als wunderbarer Vorteil erweist an erster Stelle fürs Küchenpersonal.. Mit 9 Knoten pflügt die SATURN durch das Wasser. Die Sonne wirft ab und zu ein paar Strahlen durch große, dichte Wolkenfelder. Und ich hoffe, dass sich die Statistik in den kommenden zwei Wochen erfüllt. Die besagt nämlich, dass das Wetter im Juni auch im südlichen Skandinavien einigermaßen zuverlässig ist. Und wir so etwas wie Sommerluft schnuppern können. Das ist doch nicht zuviel verlangt, oder? Nach dem Ritt über die Mecklenburger Bucht empfängt uns zuerst der wuchtige, viereckige Leuchtturm Gedser Fyr, dann der Fähr- und Fischereihafen und eine Seemeile später der Yachthafen von Gedser. Solide und sauber, aber ohne Charme. - alle Wege führen über Gedser. Schon seit rund hundert Jahren ist dieser Ort ein wichtiges Glied der Verkehrsverbindungen zwischen Deutschland und Dänemark .Der nächste Morgen begräbt alle meine Illusionen von Sommer und Sonnenschein unter einer dichten Decke aus dunkelgrauen Wolken. Auf der Kimm liegt Nebel, über dem Nebel stapeln sich die Wolken bis hoch in den Himmel. Und zu allem Überfluß reden die Süddeutschen beim Frühstück nur über eines: dass bei ihnen zu Hause das Wetter im Sommer meist so ist, wie es sich gehört – nämlich mit ausgiebig Sonne.
Von Gedser aus schlängelt sich unser Charter Katamaran an Falsters Westküste immer gen Norden. Nach einer Stunde zwängt uns die Ostküste Lollands in das enge Fahrwasser des Guldborgsunds. Unser“ Münchener im Himmel“ Franz frönt seiner neuen Leidenschaft und probiert leckere Mixturen für Longdrinks aus. Und unsere Silke beschränkt sich auf das Kartenlesen. Als zeitgleich mit Sabrinas Smörebröds die Sonne durchbricht, ist die Welt wieder in Ordnung .
Nicht aber für die SY Robby, eine kleine blaue Yacht Marke Eigenbau, die hinter uns an der Außenmole des Hafens von Nykøbing festmacht. Ihre Mannschaft hatte offensichtlich einen schlechteren Tag. Sie waren im südlichen Guldborgsund vom richtigen Weg abgekommen und aufgelaufen. Womit wir zum ersten Kapitel über die Tücken dänischer Gewässer kommen. Wie im Guldborgsund sind die Fahrwasser häufig eng. Jenseits der Tonnen sinkt der Wasserspiegel bald auf eine für Yachten ungesunde Tiefe.

Richtung Kopenhagen Insel Nyord
Nykøbing, die Hauptstadt von Falster, ist zwar nicht besonders romantisch, aber doch typisch dänisch. Vor den Silo- und Industrieanlagen, die hinter dem Hafen in die Höhe ragen, versteckt sich ein kleiner, alter Stadtkern, der einen Besuch wert ist. Aber der Weg nach Kopenhagen ist noch weit, und der Ort nicht idyllisch genug für unseren Geschmack. Also werfen wir am nächsten Morgen nach dem Frühstück die Leinen wieder los. “Robby” auch. “Warum liegen die denn da so komisch?” fragt der achtjährige Jonas fachmännisch unseren Kapitän. Gute Frage. Denn “Robby” hat schon wieder ein Problem. Sie liegt regungslos querab des Fahrwassers. Oder besser gesagt: Sie sitzt fest. Diesmal kam zu den bereits erwähnten Tücken noch ein wenig Strom (zwei Knoten), und schwupps, saßen sie wieder auf Grund. Schnell holten wir sie wieder aus dem Dreck mit 2x 56 PS - Für unseren erfahren Skipper MAT kein Problem. Dann in Guldborg, endlich Dänemark, denke ich. Ein romantisches kleines Fischerdorf mit nur hundert Einwohnern. Dazu ein erstklassiger Sonnenuntergang, der den Himmel mit glutroter Farbe bemalt. Und Cock au Vin à la Smutje Sabrina. Pünktlich um 22.20 Uhr lerne ich die zweite Lektion zum Thema Segeln in Dänemark: Pfeifen Sie auf die Statistik, bei unserem nördlichen Nachbarn ist das Wetter ebenso unberechenbar wie bei uns. Oder wie NDR 4 es formuliert: “5 bis 6 Bft. aus Nordwest, Schauerböen.”
Aber am nächsten Morgen wieder Sonne -Wind NW. Wir umrunden Falster weiter Richtung Osten. Der Wind treibt unser Schiff mit Groß und Genua in Windeseile vorwärts. Das Smålandsfahrwasser würgt nervös eine Welle nach der anderen hervor und lässt unseren Charter Katamaran tanzen. Im Sekundentakt spritzt die Gischt über unseren Bug , doch wir hocken mit einem Planters Punch gut geschützt im Cockpit. Bis sich Wind und Wellen in der Landabdeckung von Seeland allmählich beruhigen.
NYORD -Ein Eiland, flach wie Ostfriesland. Mit einer Ausnahme, dem 15 Meter hohen Hügel über dem Hafen, auf dem das Dörflein mit seiner kleinen Kirche steht. Auch wenn es ziemlich abgegriffen klingt, Fischerorte seien romantisch und idyllisch: Nyord ist es. Mit seinen strohgedeckten Häusern, die sich zwischen den Bäumen verstecken, und mit den eifrigen Fischern, die an ihren Netzen herumfingern.
Von unserem Ziel in Kopenhagen trennen uns gerade noch 50 Seemeilen. Erst die Überquerung der Fakse-Bucht, dann noch eine Übernachtung in Rødvig. Und die letzte Etappe bis zu Dänemarks Hauptstadt. Ich muss es wahrscheinlich nicht erwähnen: Aber wie auf der gesamten bisherigen Reise mischt Petrus weiterhin die Wetterkarten. Er schickt uns Sonne, Wind und ein paar Schauerböen. Der Nächste Hafen ist wie eine Lektion in“ gode gammle Dansk“ Neben Sabrinas Essen natürlich.

Rodvig Hafen
Rødvig gehört zu den beliebtesten Häfen des Landes. Rund 130 Liegeplätze, eingebettet zwischen schroffen Klippen und prachtvollen Wäldern. Dahinter ein kleines Dorf, in dem man nicht nur gut essen, sondern auch noch frischen Fisch kaufen kann, für die letzte Etappe bis zu unserem Ziel. Rund 30 Seemeilen vor uns liegt die dänische Metropole Kopenhagen.
Dass sich eine große Stadt in der Nähe befindet, merkt man schon weit vor Kopenhagen. Spätestens wenn einem im Außenhafen die rasenden Tragflügelboote in die Quere kommen und zu erhöhter Aufmerksamkeit mahnen. Im übrigen ist der Welthafen zwar groß, aber nicht angsteinflößend. Man sollte sich nur frühzeitig überlegen, wo man liegen will. Aber das wussten wir ja schon lange. Die Entscheidung war gefallen, als wir noch bei Rostocker Pilsener in Warnemünde saßen.
Natürlich zieht es uns nach Nyhaven an der Havnegade direkt vor dem alten Zollamt – übrigens ein hervorragendes Restaurant .

Tivoli Kopenhagen
Flugs ist das Dinghi mit den Davids weggefiert, Sabrina will unbedingt fahren. Wir wollen so schnell wie möglich nach Christiania , der letzten noch bestehenden Republik mit 68ger Idealen in seinen Statuten. Hatten wir nicht alle mal den Traum von Anarchie und Unabhängigkeit? Eine alternative Freistadt mit jeder Menge Mythen und “Tüten”. Und der dazugehörige Hafen Christianshavn ist zweifelsfrei der schönste Ort in Kopenhagen. Jetzt bleiben uns noch 2Tage zur Erkundung dieser wunderbaren, hervorragend restaurierten Weltmetropole mit ihrem überbordenden Kulinarischen und Kulturellen Angebot. Teilweise nehmen wir die praktischen Leihräder (einfach 20 Kronen einwerfen und losfahren und dort stehen lassen, wo es gerade passt) oder die Fahrradrikschas mit den kommentierenden verwegen aussehenden Drivern, die immer „on top of the hit“ Vorschläge für sight-seeing und night-life machen können. Beim Abschied versprachen wir uns alle, demnächst wieder eine Segelreise mit diesem vortrefflichen Charter-Katamaran zu machen. Mit dem Zug werden wir in viereinhalb Stunden wieder in Kiel sein! Unglaublich, dass wir auf dem Wasser fünf Tage benötigten. Dieser Segelurlaub hatte wirklich alle Aspekte eines gelungenen Abenteuers und es fällt schwer , die Menschen, die einem zu Freunden geworden sind zu verlassen.
Die nächsten Kopenhagentörns - mit Nachtsegeln diesmal- werden vom 17.4. – 25.4.2009 und vom 9.5. -16.5.2009 starten. Wenn ihr Lust habt treffen wir uns wieder mit Bocuse-Rezepturen im Gepäck. Tschüß eure Tanja.