Wer hätte es denn auch anders erwartet? Beim ersten größeren Ansegeln im Jahr? Das Chaos war unübersehbar und überall , es breitete sich sogar noch auf Steg und Kabinen aus. Bergsteigerqualitäten waren beim Besteigen des Charter Katamarans gefragt…
Franz und Nick hatten sich schon mal in ihren Kabinen niedergelassen, der Proviant wartete noch auf Unterbringung . Das Wetter ließ sich zu milden Sonnenexzessen hinreißen, so dass sich bei allen eine eher südländische Laissez -fair – Haltung einstellte : erst mal ein, zwei Bierchen zum Nachdenken und Koordinieren. Der Skipper des Charter Katamarans, MAT, legte erst mal ab, beim Segeln kommen immer die besten Ideen; der Stauplan ist schließlich schon im Kopf und bedarf nur noch eines Realitätsupdates In Laboe gabs keinen Sprit, in Strande auch nicht . Die Tanke war noch sauber in Plastik verpackt (Wieviel hat Christo wohl dafür kassiert? ) Dafür hatte Heinz in Damp einen funktionierenden Tankstutzen parat und es konnte endlich Richtung Dänemark losgehen. Spodsbjerg war nicht das Traumziel , eher entvölkert. Nur von angelwütigen Deutschen in Mietmotorbooten wurden wir nachts um 06:30 aus dem verdienten Urlaubsschlummer gerissen. Wie auf Kommando starteten alle 30 Kajütbötchen ihre Motoren, laute Ableger-Befehle , Musik. Gemäß der Tradition auf dem Charter Katamaran SATURN : „das Frühstück schmeckt am besten mit geheißten Segeln“ ging es mit den ersten Sonnenstrahlen und 3er Nordwind – gibt es so etwas schönens wirklich für uns ?- Halbwindkurs richtung Brücke gr. Belt. Der Wind schlief dann doch etwas ein . so daß wir 2x 6oPS in Wallung bringen mussten. Rund Nord-Sjaelland in 30Stunden größtenteils unter Segel :morgens um 11:30 dann in Kopenhagen fest. Am Lieblings-Liegeplatz vor dem exquisiten Restaurant: Custom-House. Sofort das Dinghy abschlagen und auf zur Städtetour .
Kopenhagen mit dem Dinghi zu erforschen ist schon eine Besonderheit und kann nur noch von Amsterdamm getoppt werden. Überall gibt es Anleger in den Seitenarmen der Hauptkanäle, an denen problemlos festgemacht werden kann und meistens findet sich auch noch ein Biergarten oder Restaurant in der Nähe. Dort sind die Treffpunkte der Einheimischen aus dem Viertel oder dem Kietz – es lohnt sich öfter einmal anzuhalten und den Kopenhagenern beim abendlichen Klönschnack zuzuhören und –zusehen.
Was mir immer wieder auffällt ist die furchtlose und ruhige Art der Kinder , die selbstverständlich auch etwas später noch in Kneipen und Gärten anzutreffen sind und sich mit Altersgenossen tummeln oder auch bei den Erwachsenen mit am Tisch sitzen. Kein Geschrei und Gezeter wie oftmals in deutschen Treffs ähnlicher Art. Auffällig ist auch die unterschwellige Wachsamkeit der Erwachsenen gegenüber der gesamten Kinderschar – nicht nur der eigenen. Es ist wirklich eine allgemeine manifestierte Kinderfreundlichkeit zu spüren. Das fehlt mir sehr oft im heimatlichen Teutonenland. Ystad , der Killernebel aus unruhigen Geistern Nicht umsonst werden in YSTAD die Wallander-Krimis gedreht – es muß etws Unheimliches in der Gegend sein… Anscheinend kann dort Nebel in miutenschnelle derart dicht werden, das sämtliche Verbrechen im Unsichbaren stattfinden könnten. Genauso schnell kann er sich aber auch wieder verziehen, so dass die kleine romantische Stadt ihr völlig unschuldiges Antlitz dem ahnungslosen Besucher präsentieren kann. Wir schippern fiedlich im Sonnenschein und etwas Hochnebel mit atemraubenden 5kn unter unserem Parasailor auf Ystad zu – alle liegen vorne im Netz und dösen vor sich hin oder lesen – oder tun so, als wenn sie dösen , schlafen aber fest und gehen Traumwache. So ca 10nm vor der Hafen- einfahrt zieht sich die Sonne etwas zurrück und es wird merklich kühler. Wir rappeln uns auf und bergen den Parasailor zumal der Wind noch mehr einschläft- Sicht immer noch ca 2nm. Doch laut Karte 2nm vor der Hafeneinfahrt schlägt das Phänomen zu : da ist er der Killernebel von Ysdtad : keine 20m Sicht mehr.
Wie ein Gazevorhang verdeckt er alles , natürlich auch die Ansteuerungs –Tonnen. An die tasten wir uns in Schleichfahrt herran mit 2 Mann Ausguck vorne im Bugkorb. Immerhin sind die vorne 12m weiter an unseren Fahrwassertonnen als der Steuermann, man kann sie von achtern nur schemenhaft erkennen. Alles geschieht auf Zuruf . Jetzt kommen auch noch sehr tiefe Typhon – Warnsignale von dirket vorraus und es antwortet ein anderes großes Ungeheuer von achtern sehr eindringlich und schnell – und nicht nur von achtern , auch von Backbord 10:00 antwortet es sehr tief und eindringlich. Das lässt nur eine Schlussfolgerung zu : wir sind von riesigen Monsterschiffen unmgeben, die stetig weiter auf uns zukommen. Ich greife zur Funke und rufe Ystad-Radio um Unterstützung zu erbeten und drohe gleichzeitig an, dass ich jetzt in den Fährhafen einlaufen werde, da die Einfahrt zum Sporthafen sehr eng und zudem sehr flach erscheint. Sichtweite vielleicht noch 10m! Nach endlosen gefühlten 30min – es waren vielleicht nur 3min- und mehrmaligem Wiederholen meiner Ansagen kam endlich die ersehnte Antwort von Ystad-Radio: Don`t enter the Ferry-Port . The Ferry is right now leaving the harbour in front of you. Turn to the left into the Marina. !!! Noch wärend der Hafenmeister spricht, taucht direkt vor uns die Kaymauer auf – volle Kraft zurrück! Puh! Gerade noch mal gutgegangen so um 50cm dem Ramming entflohen! Doch die gute Nachricht: wir haben endlich eine handfeste Mauer als Orientierung und gleich der Blick in die Karte : die schlechte Nachricht- an der Mauer und später der Buhne aus Felsbrocken ist nur eine Tiefe von 1.10m – 1.30m . Nicht Zaudern sondern Schleichfahrt im Zentimeterbereich. Wenn wir aufsetzten sollten , wären wir zumindest aus dem Fahrwasser – obwohl backbord von uns immer wieder ein offensichtlich gereiztes Ungeheuer mit seinem Typhon auf uns arme Verirrte eintrötet, Das macht die Sache nicht leichter. Plötzlich taucht aus dem Nichts ein Alludinghi auf mit wild gestikulierenden einheimischen Trollen an Bord auf - zum glück kommen die nicht näher, sonst hätte ich Überfall-Allarm geben müssen.
In meiner konzentrierten Panik ignoriere ich die Trolle , die sich auch bald wieder in die Geisternebelwand zurrückziehen nur damit das Troll-Mutterschiff noch lauter und wütender auf uns eintröten kann. Trotz kleiner Aufsetzer ziehen wir unbeirrt weiter unsere Bahn mit 4-5m pro Minute immer an der Mauer entlang richtung Marina. Schließlich das Unfassbare : die Einfahrt ist erreicht und wir sichten sogar einen langen verlassenen Steg ideal um längseits festzumachen. Dann aber – wir haben uns schon alle etwas entspannt - wird das alles nocheinmal von der fürchterlichsten Überraschung durchzuckt, die je ein Seemann zu überleben im stande war. !!! Die Nebelgeister entfleuchten schlagartig , eine Hafenidylle wird sichtbar, die ihresgleichen sucht!!! Der Vorhafen zur Marina wird gerade ausgebaggert und 200m weiter die schöne Einfahrt zum Fährhafen alles in greifbarer Nähe, wobei wir doch gerade noch gefühlt die Packeisgrenze zwischen Spitzbergen und Grönland passiert haben…. Was für ein Alptraum und wir herrlich die 3-5 Bierchen hinterher! Im schönsten Sonnenschein tröteln wir noch etwas benommen durchs wirklich schuckelige Ystad und stoßen auch promt am Haupthafen auf das Wallander-Film-Team mit dem neuen Wallander-Darsteller , nettes Team, nicht eingebildet und mitteilsam was die Story angeht. Doch ich bleibe misstrauisch ; ob die nicht doch am ende für diese fürchterliche Killernebelattacke zuständig waren?
Perfektes Ostersegeln mit Charter Katamaran
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